SECHS JAHRE · EIN GELÄNDE · ETWAS, DAS BLEIBT
Essen-Kupferdreh · 2020 bis heute
DARUM GEHT ES MIR
Die meisten Projekte, die ich mache, sind irgendwann vorbei. Ein Event wird abgebaut, ein Video wird archiviert, ein Sommer geht zu Ende. Der Benderpark ist anders. Was hier entsteht, steht aus Beton und Stahl auf einer Fläche in Essen-Kupferdreh, und es wird noch da sein, wenn ich längst nicht mehr derjenige bin, der davon erzählt.
Ich war 19, als ich das erste Mal allein vor politischen Vertretern stand und ein Konzept verteidigt habe, an das damals noch nicht besonders viele geglaubt haben. Sechs Jahre später wird gebaut. Diese Seite erzählt, was dazwischen passiert ist.
2020 · DER ANFANG
Angefangen hat alles mit einer Einladung der Bürgerschaft Kupferdreh. Es gab eine Fläche im Benderpark, es gab die Idee einer Parkouranlage, und es gab die Frage, wie so etwas eigentlich aussehen müsste, damit es für die Menschen funktioniert, die später darauf trainieren.
Also haben wir das Gelände ausgemessen und uns mit mehreren Parkoursportlern zusammengesetzt. Wir haben Hindernisse entworfen, Abstände diskutiert, Kompositionen durchgespielt: Was lässt sich verbinden? Wo entstehen Lines? Wo ist Platz für Anfänger, wo für Leute, die seit Jahren springen?
Das war der Moment, in dem aus einer Idee ein Plan wurde, gezeichnet von denen, die die Anlage später selbst nutzen würden.
2020 · DAS MODELL
Direkt aus dem ersten Konzept heraus haben wir das Ganze in 3D gebaut. Zu zweit, aus den Skizzen und Maßen, die wir auf dem Gelände zusammengetragen hatten: jedes Hindernis, jede Distanz, jede Blickachse.
Das Ergebnis sah professionell aus. Richtig professionell. Und genau das war der eigentliche Punkt. Wir waren zu dem Zeitpunkt beide noch sehr jung, und trotzdem lag da plötzlich etwas auf dem Tisch, das man einem Gremium zeigen konnte, ohne es lange erklären zu müssen.
Dieses Modell ist für alles geworden, was danach kam, die wichtigste Argumentationsgrundlage. Über eine Idee kann man streiten. Über ein Bild, das zeigt, wie es tatsächlich aussehen wird, deutlich schwerer.
2021 BIS 2023 · DIE STILLE ZEIT
Nach der ersten Planung wurde es ruhig. Sehr ruhig. Ein fertiges Konzept in der Schublade ist noch keine Anlage. Es fehlte die Finanzierung, und ohne die bewegt sich in einem kommunalen Projekt nichts.
Diese Phase ist der Teil, über den selten jemand spricht. Kein Fortschritt, keine Termine, keine Bilder. Nur die Frage, ob man dranbleibt oder das Ganze als schöne Erfahrung abhakt.
Ich bin drangeblieben. Fast drei Jahre lang.
PIT HANTZSCHE
2023 · DIE PRÄSENTATION
2023 kam der Punkt, an dem das Konzept nicht mehr im Kreis der Beteiligten besprochen wurde, sondern offiziell auf dem Tisch lag. Ich habe es vor der Bürgerschaft und vor politischen Vertretern vorgestellt und ihre Rückfragen beantwortet.
Allein, mit 19 Jahren, vor einem Raum voller Menschen, die deutlich länger in solchen Prozessen unterwegs waren als ich. Ich habe erklärt, warum diese Anlage gebraucht wird, wie sie funktioniert und was sie für Jugendliche in Kupferdreh bedeutet.
Das war der Tag, an dem ich gelernt habe, dass eine gute Idee nichts wert ist, wenn man sie nicht erklären kann.
ENDE 2023 · DER GEGENWIND
Es gab Kritik am Projekt. Bedenken, Widerstand, Fragen, die ernst gemeint waren und ernst genommen werden mussten. So etwas gehört dazu, wenn öffentlicher Raum verändert wird.
Gegen Ende 2023 sind wir das gemeinsam mit der Stabsstelle Bürgerbeteiligung der Stadt Essen offen angegangen: in einer öffentlichen Veranstaltung für Anwohnerinnen und Anwohner, bei der jede Sorge auf den Tisch durfte. Wir haben zugehört, erklärt, Kompromisse gefunden.
Am Ende haben wir überzeugt. Nicht, indem wir die Kritik weggewischt haben, sondern indem wir sie beantwortet haben.
2024 · FINANZIERUNG UND ARCHITEKTUR
2024 stand die Finanzierung fest. Damit ging das Projekt zurück in die Planung, diesmal allerdings auf einer ganz anderen Ebene: konkret, mit einem Architekturbüro an Bord.
Was vorher unsere Konzeption und unser Modell war, wurde jetzt in eine Form gebracht, mit der sich tatsächlich bauen lässt. Maße, Materialien, Normen, Genehmigungsfähigkeit.
Für mich war das der Moment, in dem klar wurde: Das passiert wirklich.
2025 · AUSSCHREIBUNG UND GENEHMIGUNG
2025 folgte der Teil, der von außen am unspektakulärsten aussieht und trotzdem über alles entscheidet: die offizielle Bauausschreibung und die Genehmigung durch die Stadt.
Fünf Jahre nach der ersten Ortsbegehung war aus einer Idee ein Verwaltungsvorgang geworden. Das klingt ernüchternd, ist aber genau der Punkt, an dem viele Projekte scheitern und an dem dieses hier durchgekommen ist.
2026 · JETZT
Sechs Jahre nach der ersten Ortsbegehung ist der Bau im Gange. Was als Skizze auf einem ausgemessenen Stück Wiese begann, entsteht gerade tatsächlich.
Es ist schwer zu beschreiben, was es mit einem macht, wenn etwas, das so lange nur auf Papier und im Rechner existiert hat, plötzlich physisch wird.
DER WEG IN KÜRZE
Ortsbegehung und Vermessung im Benderpark, gemeinsame Konzeption mit Parkoursportlern, organisiert von der Bürgerschaft Kupferdreh. Direkt im Anschluss entsteht zu zweit das vollständige 3D-Modell.
Das Projekt ruht. Es fehlt die Finanzierung, das Konzept bleibt in der Schublade.
Vorstellung und Verteidigung des Konzepts vor der Bürgerschaft und vor politischen Vertretern. Gegen Jahresende folgt eine öffentliche Veranstaltung für Anwohnerinnen und Anwohner, in der Kritik am Projekt aufgegriffen und ausgeräumt wird.
Die Finanzierung steht fest. Das Projekt geht in eine konkrete Planungsphase, diesmal gemeinsam mit einem Architekturbüro.
Offizielle Bauausschreibung und Genehmigung durch die Stadt Essen.
Der Bau der Anlage ist im Gange.
WAS DARAUS WURDE
Der Benderpark ist inzwischen weit mehr als eine geplante Sportfläche. Das Projekt ist zu einer Art Prestigeprojekt der Stadt Essen geworden und hat weit über Kupferdreh hinaus etwas ins Rollen gebracht.
Der Benderpark wird heute als Beispiel dafür geführt, wie Beteiligung von Jugendlichen in kommunaler Planung tatsächlich funktionieren kann.
Aus dem Projekt heraus ist die Parkour-Innenstadtaktion in Essen entstanden, ein direkter Folgeeffekt der Arbeit im Benderpark.
Seitdem bin ich bei vielen Projekten der Stadt dabei, wenn es um Sport und Jugendliche geht, und werde eingeladen, statt anzufragen.
MEIN ANTEIL AM PROJEKT
Mitentwicklung der ursprünglichen Anlagenplanung und spätere gezielte Überarbeitung des Gesamtkonzepts.
Gemeinsamer Entwurf eines vollständigen dreidimensionalen Modells direkt aus dem ersten Konzept heraus, als Planungs- und Argumentationsgrundlage.
Eigenständige Vorstellung des Konzepts vor politischen Vertretern inklusive Beantwortung kritischer Rückfragen.
Mitgestaltung und Begleitung einer öffentlichen Veranstaltung zur Auseinandersetzung mit Kritik am Projekt.
Kontinuierliche Mitarbeit über sechs Jahre hinweg, von der ersten Ortsbegehung bis zum Baubeginn.
PERSÖNLICH
Ich mache viele Dinge, die schnell gehen. Events, Videos, Sets, Sachen, die intensiv sind und dann vorbei. Der Benderpark ist das Gegenteil davon: sechs Jahre, viele Rückschläge, lange Phasen ohne sichtbaren Fortschritt.
Genau deshalb bedeutet er mir so viel. Ich war jung, als das anfing. Ich habe 3D-Modelle gebaut, bevor ich wusste, ob das jemals jemanden interessieren würde, und ich habe vor Leuten gesprochen, die mich problemlos hätten überhören können.
Was daraus geworden ist, ist mehr als eine Sportanlage. Es ist der Beweis, dass es sich lohnt, dranzubleiben, und es ist das, was von mir in dieser Stadt stehen bleibt, wenn ich irgendwann ganz andere Dinge mache.
Das ist meine Legacy. Und sie ist aus Beton.
AUSBLICK
Die Anlage ist im Bau, und die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende erzählt. Dieser Bereich wird ergänzt, sobald der nächste Abschnitt ansteht.