WIE ICH DAZU KAM
Meine Freundin hat die Stellenanzeige bei sich in der Schule hängen sehen und mir davon erzählt. Ich habe mich beworben und den Gig bekommen. Seit Mai 2026 begleite ich die Urbahn Music Sessions als Videograf und Editor.
Kein großes Drama also. Aber genau die Art Auftrag, die mir liegt: klarer Rahmen, hohes Tempo und trotzdem viel Gestaltungsspielraum bei dem, was am Ende dabei herauskommt.
Vor jeder Urbahn-Reel-Session entwickle ich anhand von drei Buyer Personas einen Reel-Plan. Darin stehen die Hooks, mit denen ein Reel in den ersten Sekunden Aufmerksamkeit gewinnen muss, zusammen mit einem groben Drehplan.
Die Personas habe ich ganz zu Beginn des Auftrags aufgesetzt und arbeite seitdem mit ihnen. Sie beantworten die Frage, für wen ein Reel eigentlich gemacht ist: für Menschen, die Jazz ohnehin hören, oder für die, die zufällig an einem Bahnsteig vorbeikommen und dreißig Sekunden hängen bleiben.
Der Plan ist bewusst grob. Er gibt mir eine Richtung für den Dreh, ohne mir die Möglichkeit zu nehmen, vor Ort auf das zu reagieren, was tatsächlich passiert.
Je nach Konzept begleite ich die Musiker bereits bei ihrer Probe und schließlich beim eigentlichen Event. Die Probe liefert mir neben verwertbaren Aufnahmen vor allem eine Einschätzung der Setlist und damit der Stellen, an denen später besondere Momente entstehen werden.
Genau das ist der eigentliche Wert des Probentermins. Wenn ich weiß, an welcher Stelle im Stück das Solo kommt oder wo die Band auf den Punkt zusammenkommt, muss ich abends nicht raten, sondern stehe rechtzeitig an der richtigen Stelle.
Die Schnelllebigkeit von Social Media zeigt sich auch in der Anforderung an den Schnitt. Möglichst direkt am nächsten Morgen gehen die ersten Reels online. Dank guter Planung im Voraus stellt das kein Problem dar.
Der Schnitt selbst beginnt praktisch schon beim Dreh. Weil der Reel-Plan steht und ich während des Konzerts mitdenke, welches Material zu welcher Hook gehört, muss ich nachts nicht stundenlang sichten, sondern kann gezielt zusammensetzen.
DIE RAHMENBEDINGUNGEN
Ein Konzert in einer aktiven U-Bahn-Station zu filmen, klingt entspannter, als es ist. Drei Dinge bestimmen dabei jede Entscheidung, die ich vor Ort treffe.
Ich drehe allein, mit einer Kamera. Ein Live-Konzert lässt sich nicht wiederholen. Wenn der Moment kommt und ich gerade auf der falschen Seite stehe, ist er weg. Jede Position, für die ich mich entscheide, ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen drei andere.
Parallel zu mir arbeitet ein mehrköpfiges Medienteam mit mehreren Kameras an den YouTube-Videos. Ich bewege mich zwischen deren Einstellungen, ohne ihnen ins Bild zu laufen. Das begrenzt die Wege, die mir überhaupt bleiben.
Das erste Reel soll am Tag nach dem Konzert stehen. Sichten, schneiden, vertonen, Hook setzen, exportieren. Praktisch heißt das: Ich muss schon während des Drehs wissen, welches Reel daraus wird.
RESONANZ
Die Rückmeldung aus dem Team war eindeutig: Es läuft gut. Das erste Reel, das ich für Urbahn produziert habe, kam auf 468 Likes, für diesen Kanal ist das selten viel.
Inzwischen sind daraus drei begleitete Sessions und dreizehn Reels geworden. Der Ablauf sitzt, von der Probe über den Auftritt bis zum Upload am nächsten Morgen.